Seminarleitung: Jürgen Homann
Die Veranstaltung findet durchgängig digital statt. Blocktermine: 11.10., 15.11. (beide ganztags, 09.30-17.00 Uhr), 05.12. (14.00-17.00 Uhr) und 06.12.25 (09.30-17.00 Uhr).
Was wäre, wenn Behinderung gar nicht das Problem ist, als das sie gesellschaftlich konstruiert wird? Dieses Seminar dekonstruiert tradierte Vorstellungen von Behinderung und hinterfragt die hegemoniale Stellung medizinischer, pädagogischer und sozialarbeiterischer Deutungsmacht. Ausgehend von der historischen Kontinuität eugenischer Diskurse – von der NS-„Euthanasie“ über bioethische Debatten bis zur Triage während der Corona-Pandemie – erkunden wir Disability Studies als kritischen Wissenschaftsansatz, der aus der politischen Behindertenbewegung hervorgegangen ist. Dabei stehen nicht Hilfe und Integration im Mittelpunkt, sondern machtkritische Analysen gesellschaftlicher Normalisierungsprozesse.
Das Seminar behandelt zentrale theoretische Modelle (medizinisches, soziales, kulturelles Modell) und untersucht deren politische Implikationen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, wer berechtigt ist, über Behinderung zu sprechen und zu forschen – und welche Rolle die Soziale Arbeit in diesen Machtverhältnissen spielt. Von intersektionalen Perspektiven über die UN-Behindertenrechtskonvention bis zur Kritik an der real existierenden Integrationspraxis: Das Seminar fordert dazu auf, vermeintliche Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und Behinderung als gesellschaftliches Verhältnis zu verstehen, das politisch und damit veränderbar ist.