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Seminar „Kritische Perspektiven auf Inklusion, Macht und Emanzipation im Behinderungsdiskurs“

Seminarleitung: Jürgen Homann

Termin: dienstags, 09.00-14.00 Uhr (5-std.), 16.12.2025, 06./13. und 20.01.2026

Ausschließlich digital, der Zugangslink wird angemeldeten Teilnehmer*innen rechtzeitig vor Beginn der Veranstaltung per e-Mail zugestellt

Disability Studies bewegen sich in einem wissenschaftlichen Diskurs, der bisher von etablierten Disziplinen dominiert wird. Diese betrachten Behinderung oft primär als biologische oder essentialistische Kategorie im Sinne des medizinischen Modells. Hier wird Behinderung als individuelle Schädigung oder Beeinträchtigung verstanden und somit als persönliches Problem oder Schicksal des Einzelnen interpretiert. Im Gegensatz dazu interpretieren Disability Studies Behinderung als sozial und diskursiv (re-)produzierte Praxis von Diskriminierung, Ungleichbehandlung und Ausgrenzung. Ihr Ziel ist es, behinderte Menschen aus ihrer Rolle als Objekte der Forschung und Fürsorge zu befreien und sie zu Subjekten ihrer eigenen Geschichte zu machen.

Disability Studies analysieren die Normalität und Normativität des hegemonialen Behinderungsdiskurses und dessen Verflechtung mit anderen Formen von Subjektivierung und Macht. Die Perspektive der Betroffenen steht dabei im Zentrum von Forschung und Lehre. Durch die Betonung der Situiertheit von Wissen wird die enge Verbindung von Wissen und Macht in den Fokus gerückt. Im Seminar werden zunächst wissenschaftskritische Grundlagen und zentrale Theorien der Disability Studies, auch aus historischer Perspektive, behandelt. Anschließend folgt eine menschenrechtliche Auseinandersetzung mit dem aktuellen Inklusionsdiskurs und dessen Entwicklungen. Abschließend werden die sogenannten „Sozialprofis“, wie Klaus Dörner sie nannte, auf ihr kritisch-emanzipatorisches Potenzial und ihren Beitrag zu einem kritischen Bildungs- und Wissenschaftsverständnis hinterfragt.