Zum Inhalt springen →

ZeDiSplus-Ringveranstaltung: Revival Intersectional Studies 2.0: Strategien gegen die systematische Demontage kritisch-emanzipatorischer Wissenschaft – Wege zur nachhaltigen Institutionalisierung der Disability Studies

Termine: ab 04.11.2025, dienstags, 18.30-20.00 Uhr, digital via Zoom (der Videolink wird allen angemeldeten Teilnehmer*innen rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn zugestellt)

Der von der AG Queer Studies der Uni Hamburg, dem Zentrum GenderWissen und dem ZeDiSplus in 2013 verfasste, auch unter dem Namen ‚Hamburger Manifest‘ bekannte Beitrag „Intersectional Studies, Eine Praxis des ‚für Alle!'“ (https://share.google/elsPEog8BAcz55xeI, Abruf am 29. Sept. 2025) war seiner Zeit weit voraus: Es entwarf die Vision einer inklusiven Hochschule als „Lehrhaus für Alle“, in der alle Menschen, unabhängig von Behinderung, Geschlecht oder Herkunft, gleichberechtigt und dialogisch von- und miteinander lernen können. Was damals utopisch erschien, erscheint heute notwendiger denn je. Denn die deutschsprachigen Disability Studies stehen vor einer institutionellen Krise: In Hamburg und Köln – zwei von nur drei Einrichtungen bundesweit – droht die Schließung. Dies lässt sich als ein erkennbares Muster interpretieren: Kritisch-emanzipatorische Wissenschaften sehen sich wiederholter Delegitimation ausgesetzt und sind finanziell prekär ausgestattet.

Die Veranstaltungsreihe folgt dem bewährten ZeDiSplus-Prinzip: Betroffene sind keine Forschungsobjekte, sondern Akteur*innen des Wandels. Wissenschaftliche Analyse wird mit kritisch-emanzipatorischer und politisch-strategischer Praxis verbunden. Die Erkenntnisse sollen zur Stärkung der Disability Studies im deutschsprachigen Raum und zum Erhalt der bedrohen Zentren beitragen. Dabei ist neben der nationalen auch die internationale Perspektive bedeutsam: Gemessen an angelsächsischen Vorbildern hat Deutschland in Bezug auf die Institutionalisierung der Disability Studies, gelinde gesagt, einen massiven Aufholbedarf. Transnationale Solidarität und Vernetzung sind daher umso so wichtiger – auch mit der UN-Behindertenrechtskonvention als rechtlicher und politischer Legitimation.

Die Demontage oder gar der völlige Abbau sichtbarer institutioneller Repräsentanzen der Disability Studies stellt auch eine Bedrohung für die Wissenschaftsfreiheit und Demokratie dar. Internationale Forschung zeigt: Autoritäre Tendenzen gehen Hand in Hand mit der Schwächung kritischer Wissenschaften. Diese Veranstaltungsreihe versteht sich als Beitrag zum demokratischen Widerstand und zum Raum für einen (selbst-)kritischen Diskurs. Insofern kann die Krise ist auch eine Chance zur Neuausrichtung sein. Sie zwingt uns, über bloße Bestandserhaltung bestehender Einrichtungen hinauszudenken: Wie soll sich kritisch-emanzipatorische Wissenschaft zukünftig organisieren? Welche Bündnisse braucht es? Wie lässt sich die marginal gestellte, passive Position der Disability Studies in eine aktive, gestaltende Rolle verändern? 

Sieben Sitzungen zur strategischen Neuausrichtung (vorläufiger Veranstaltungsplan, bitte achten Sie auf Aktualisierungen!)

04.11.2025, Einführungsveranstaltung: „Zwischen der Forderung nach Bestandsschutz und Zukunftsvisionen – Der aktuelle Stand der Aktion“

Referent*innen: Mitglieder des ZeDiSplus sowie des Vorstands des Vereins Disability Studies Deutschland (DSD) e.V./der Arbeitsgemeinschaft Disability Studies (AGDS)

Die Auftaktveranstaltung gibt ein umfassendes Update zur laufenden Aktion gegen die von Schließung bedrohten Einrichtungen in Hamburg und Köln (https://weact.campact.de/petitions/disability-studies-bedroht-kritisch-emanzipatorische-wissenschaft-schutzen-und-starken-1). Mit über 150 Erstunterzeichner*innen aus der internationalen Wissenschaft und weiteren rund 3.900 Unterzeichner*innen hat die Initiative bereits beachtliche Resonanz erzielt. Doch wie entwickeln wir nachhaltige Strategien für eine dauerhafte Etablierung der Disability Studies in Deutschland? Welche Rolle können Arbeitsgemeinschaft Disability Studies und Verein Disability Studies Deutschland e.V. strategisch einnehmen? Die Diskussion fokussiert auf die Transformation von reaktiver Verteidigung zu proaktiver Institutionalisierung.

11.11.2025: „Hamburg und das ZeDiSplus – Analyse einer systematischen Delegitimierung“

Referenten: Jürgen Homann/Siegfried Saerberg

Die Hamburger Kollegen analysieren die Mechanismen ihrer geplanten Auflösung: Die vorgesehene ‚Fusion‘ mit einem nicht-akademischen Bildungsprojekt entlarvt sich als fortschreitende Strategie einer lang angelegten Delegitimierung kritischer Wissenschaft. Diese Sitzung untersucht die spezifischen Mechanismen institutioneller Zurückdrängung und entwickelt Widerstandsstrategien.

18.11.2025: „Quo vadis Disability Studies im akademischen Feld? Zwischenbilanz und Perspektiven“

Referentin: Prof. Dr. Anne Waldschmidt, Universitätsprofessorin i. R. (professor emerita) für Soziologie und Politik der Rehabilitation, Disability Studies

Mehr als zwei Jahrzehnte interdisziplinärer Forschung und Lehre, internationaler Vernetzung und programmatischer Konturierung haben die deutschsprachigen Disability Studies etabliert – doch die institutionelle Verankerung bleibt fragil. In dem Vortrag geht es darum, zum einen das Profil und den Alleinstellungsanspruch der Disability Studies im akademischen Feld zu diskutieren. Zum anderen werden – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – drei Baustellen des Forschungsfeldes beschrieben: die akademische Infrastruktur, die Fokussierung auf Modelle von Behinderungen und die Notwendigkeit von Theoriearbeit. Zum Schluss werden Perspektiven und künftige Forschungsbedarfe skizziert.

25.11.2025: Internationale Analyse der Hamburger Situation I: „Internationale Perspektiven – Zertifikatsprogramme als Institutionalisierungsstrategie“

Referent: Miro Griffiths, Associate Professor of Social Policy and Disability Studies, Director of the Centre for Disability Studies, University of Leeds

Das angelsächsische Modell zeigt alternative Institutionalisierungswege auf: Certificate Programs, die transdisziplinär, hochschulübergreifend und ohne Hochschulzugangsberechtigung zugänglich sind. Leeds, Syracuse, Washington und andere haben erfolgreiche Modelle entwickelt. Diese Sitzung evaluiert das ZeDiSplus-Konzept der themenzentrierten, überhochschulischen Zertifikatsstudiengänge im internationalen Vergleich.

02.12.2025: Internationale Analyse der Hamburger Situation II: „Kritische Anmerkungen zum Hamburger Konzept der Verschmelzung von Bildungsfachkräften und Disability Studies“

Referent: Lennard J. Davis, Professor in the English Department in the School of Arts and Sciences at the University of Illinois at Chicago (angefragt).

Sitzung 09.12.2025: „Jenseits etablierter Allianzen – Neue politische Strategien“ (Kooperationsveranstaltung mit dem Aktionsbündnis Queering Academia, Uni Hamburg) 

Referent*innen: n.n.

Die systematischen Angriffe auf Gender Studies, Critical Race Theory, Queer Studies und Disability Studies folgen einem internationalen Muster. Von Ungarns Gender Studies-Verbot über Floridas „Stop WOKE Act“ – Think Tanks, politische Netzwerke und mediale Kampagnen arbeiten Hand in Hand. Diese Sitzung dekonstruiert die Strategien der Delegitimierung und analysiert dabei auch die Rolle ehemals ‚progressiver‘ oder ‚linker‘ Parteien bei der Disziplinierung kritischer Wissenschaft und Umsetzung neoliberaler Hochschulpolitik. Die Sitzung entwickelt Strategien für neue politische Bündnisse jenseits etablierter Parteienlogik und fragt nach den Möglichkeiten direkter politischer Intervention und zivilgesellschaftlicher Mobilisierung.

Sitzung 16.12.2025: „Konkrete Utopie 2.0 – Strategien der nachhaltigen Institutionalisierung“

Referent*in: n.n.

Die Abschlusssitzung unternimmt den Versuch, etwaige Erkenntnisse der Veranstaltung bestenfalls zu einem Aktionsplan zu bündeln. Transdisziplinäre Zertifikatsprogramme, internationale Vernetzung, alternative Finanzierungsmodelle und politische Mobilisierung werden zu einer kohärenten Strategie verdichtet. Das Ziel: Von der Defensive zur Offensive, von der Rettung zur nachhaltigen Expansion der deutschsprachigen Disability Studies. 

Anmeldung zur Veranstaltung: ZeDiSplus-Ringveranstaltung: Revival Intersectional Studies 2.0: Strategien gegen die systematische Demontage kritisch-emanzipatorischer Wissenschaft - Wege zur nachhaltigen Institutionalisierung der Disability Studies